20. Januar 2023, 11:45 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Media Markt und Saturn sind jahrelang als unterschiedliche Unternehmen aufgetreten – obwohl sie eigentlich zu einem Konzern gehören. Doch 2023 markiert den Anfang 2023 von umfangreichen Änderungen. Für das Unternehmen geht es um eine neue Ausrichtung der Einzelhandelsgeschäfte, die mit dem Online-Handel mithalten können.
Die Elektronikfachhändler Media Markt und Saturn haben jetzt im ersten Schritt ein Gemeinsames bekommen. Denn beide Unternehmen sind trotz ihrer getrennten Marken Teil der Ceconomy AG. Aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Bedingungen und der Online-Konkurrenz ist der Konzern zunehmend unter Druck geraten. Für 2023 hat Vorstandsvorsitzender Karsten Wildberger eine Reihe von Änderungen angekündigt.
Übersicht
Media Markt und Saturn treten einheitlich auf
Den ersten Schritt der Umstellung sind die beiden Tochterunternehmen Saturn und Media Markt nun gegangen. Wer jetzt auf die Webseite der beiden Marken geht, wird von einem neuem Logo begrüßt. Dieses setzt sich nun aus den bisherigen Schriftzügen Media Markt und Saturn zusammen. Direkt auf der Hauptseite ist auch ein Eintrag zu finden, der auf das gemeinsame Auftreten hinweist. Klickt man darauf, öffnet sich eine neue Seite, die erklärt, was es damit auf sich hat:
„Zwei Marken, eine Mission: Technik für die Menschen besser erlebbar zu machen – für ein Leben voller Möglichkeiten. Und das können wir viel besser erreichen, wenn wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: Dich! Deshalb treten MediaMarkt und SATURN jetzt als ein starkes Team auf.“
Diese Änderung ist ein Teil der Strategie, die Konzernchef Wildberger Mitte Dezember bei der Vorstellung des Geschäftsberichts deutlich gemacht hat: „Die Kernfrage, […] ist: Wie machen wir zwei wirklich starke Marken noch stärker?“ Die Trennung der beiden Elektronikmärkte mit jeweils eigener Werbekampagne, eigenen Preisen und getrenntem Sortiment war lange Zeit ein Erfolgsfaktor. Die stationären Fachmärkte für Unterhaltungselektronik brachten dem Konzern jedes Jahr hohe Gewinne. Bis zum Geschäftsjahr 2016/17 setzte das Unternehmen einen Netto-Umsatz von 10,58 Milliarden Euro um. Mittlerweile sank dieser über die Jahre wieder bis auf 9,8 Milliarden Euro im Jahr 2021/22. Gerade der wichtige Online-Umsatz verringerte sich im Gegensatz zum Vorjahr jedoch um 1,5 Milliarden.
Um die Marken auch im Online-Zeitalter bestehen zu lassen, sollen Media Markt und Saturn zukünftig gemeinsame Werbekampagnen ausrollen. Das soll Angebote und Preise betreffen, die dann für alle Märkte gleich gelten. Durch eine Vereinheitlichung des Sortiments sind zudem Logistik und Lagerkosten niedriger. Auch die Verhandlungsposition beim Einkauf wird nachhaltig gestärkt, wenn große Mengen von Elektronikartikeln zusammen gekauft und verwaltet werden.
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Kleineres Sortiment und veränderter Online-Handel
Mit der Vereinheitlichung der Preise und des Angebotes soll das Sortiment bei Media Markt und Saturn zudem übersichtlicher gestaltet werden. Laut Wildberger hat ein kleineres Sortiment dabei auch Vorteile, etwa bessere Verfügbarkeiten und Lieferzeiten von Produkten. „Wenn wir das richtig machen, verkaufen wir mehr und verbessern zugleich unsere Marge“, erklärt er. Die Verkaufsfläche in stationären Läden verkleinert sich damit zukünftig und es wird mehr Wert auf die Präsentation und das Ausprobieren von Produkten gelegt.
Um gegen die Online-Konkurrenz zu bestehen, möchte der Konzern den Online-Handel der Marken auch für Produkte von Drittanbietern öffnen. Ähnlich wie bei Amazon oder Kaufland können dann andere Unternehmen eigene Produkte bei Media Markt und Saturn anbieten. Mit der Öffnung würde sich das Angebot im Online-Geschäft massiv steigern und könnte dadurch mehr Kunden auf die Webseite locken.

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Ausbau des gemeinsamen Service
In den kleineren und damit im Unterhalt kostengünstigeren Läden des Filialen-Netzes sieht Wildberger die Möglichkeit, einen verbesserten Service anzubieten. Reparaturen könnten so beispielsweise für alle Produkte im Abo angeboten werden. Auch die direkte Abholung von Produkten vor Ort oder die direkte Lieferung stehen im Fokus. Zudem greift der Konzern mit den verstärkten Reparatur-Angeboten gesetzliche Initiativen der EU auf, die Unternehmen und Hersteller stärker bei der Vermeidung von Elektroschrott in die Verantwortung nehmen.
Trotz der jetzt angekündigten Maßnahmen von Media Markt und Saturn will die Konzernführung beide Marken zunächst erhalten. Dies dürfte auch daran liegen, dass eine komplette Vereinheitlichung des Aussehens beider Märkte einige Kosten verursachen würde. Diesen Schritt ging Ceconomy bisher nur in Österreich und in der Schweiz, wo alle Saturn-Märkte ihr Aussehen veränderten. Aufgrund der angespannten Wirtschaftslage – Inflationsdruck und Energiekosten – bleiben beide Marken in Deutschland zunächst erhalten.