
4. April 2025, 12:30 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Der Schufa-Score ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Dabei kann er das Leben mitunter stark beeinträchtigen. Künftig soll der Score jedoch transparenter werden. Verbraucher sollen genau nachvollziehen können, wie ihre Kreditwürdigkeit bei der Schufa bewertet wird. Die Auskunftei präsentiert einen neuen Bonitätsscore, der transparenter, verständlicher und selbst berechenbar sein soll.
Die Schufa verabschiedet sich von ihrer bislang intransparenten Bonitätsbewertung und hat dafür ein neues System vorgestellt. Künftig sollen Verbraucher anhand von zwölf klar definierten Kriterien nachvollziehen können, wie ihr persönlicher Schufa-Score zustande kommt. Der neue Wert soll bis Ende 2025 per Online-Zugang oder App kostenlos abrufbar sein. Damit reagiert die Schufa nicht nur auf langjährige Kritik von Verbraucherschützern, sondern auch auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das mehr Transparenz bei der Datenverarbeitung fordert.
Übersicht
Neuer Schufa-Score mit 12 Kriterien ersetzt bisheriges Modell
Bislang war das Punktesystem der Schufa kaum nachvollziehbar, daher wird es im Rahmen der Transparenzoffensive durch ein Modell mit lediglich zwölf Kriterien ersetzt, so die Schufa. Dazu zählen unter anderem das Alter der ältesten Kreditkarte, bestehende Ratenkredite in den vergangenen zwölf Monaten oder Zahlungsausfälle. Jeder Punkt wird mit einer konkreten Punktzahl zwischen 100 und 999 bewertet – je höher der Wert, desto besser die Bonität.
Die Schufa listet folgende Kriterien für die neue Berechnung auf:
- Alter der ältesten Kreditkarte
- Alter der aktuellen Wohnadresse
- Anfragen und Abschlüsse zu Konten und Karten (Vergangenheit: 12 Monate)
- Kredit mit längster Restlaufzeit
- Anfragen im Bereich Telekommunikation und Onlinehandel
- Alter des ältesten Bankvertrags
- Bestehender Immobilienkredit oder Bürgschaft
- Ratenkredite der letzten 12 Monate
- Kreditstatus
- Durchführung einer Identitätsprüfung
- Jüngster Rahmenkredit
- Vorhandene Zahlungsstörungen
Über 250 Kriterien waren bislang in die Bewertung eingeflossen, ihre Gewichtung blieb geheim. Mit dem neuen Schufa-Score möchte die Auskunftei sicherstellen, dass auch Laien ihre Kreditwürdigkeit eigenständig nachvollziehen und simulieren können. Ein digitales Datencockpit soll dies künftig ermöglichen.
Zudem werden kritisierte Faktoren künftig anders behandelt: Mehrere Kontoanfragen innerhalb von 28 Tagen wirken sich nicht mehr negativ auf die Bewertung aus. Damit will die Schufa einer häufigen Kritik von Verbraucherschützern begegnen und Fairness im Bewertungssystem erhöhen.
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Gespeicherte Daten im eigenen Schufa-Account einsehbar
Die Daten sollen über einen persönlichen Schufa-Account einsehbar sein, der voraussichtlich Ende 2025 zur Verfügung steht. Der Zugang ist kostenfrei und erfolgt per eID-Funktion des Personalausweises. Nutzer können dort simulieren, wie sich Veränderungen – etwa die Aufnahme eines Kredits oder die Kündigung einer Kreditkarte – auf ihren Schufa-Score auswirken würden.
Auch die sogenannte Bonify-App der Schufa-Tochter Forteil bietet bereits jetzt einen ersten Einblick in den aktuellen Basisscore. Eine vollständige Einsicht über ihre gespeicherte Daten können Verbraucher aber auch weiterhin bei der Schufa als kostenlose Papierkopie anfordern.

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Auswirkungen und Bedeutung für Verbraucher
Der Schufa-Score spielt eine zentrale Rolle für Banken, Online-Händler oder Mobilfunkanbieter. Sie nutzen ihn zur Einschätzung der Zahlungsfähigkeit von Kunden. Je nach Ergebnis entscheidet sich, ob ein Kredit gewährt oder ein Vertrag abgeschlossen wird – und zu welchen Konditionen.
Dabei betont die Schufa, dass sie selbst keine Entscheidungen trifft, sondern nur Informationen liefert. Partner wie Banken ergänzen diese mit eigenen Daten, etwa zum Einkommen oder Vermögen des Kunden.
Derzeit wird der neue Score von 17 Banken und Unternehmen getestet. Ziel ist es, ihn langfristig als einheitlichen Wert zu etablieren und die bisherigen Branchenscores zu ersetzen. Bis zur vollständigen Umstellung könnte es jedoch noch dauern, da eine Abstimmung mit der Finanzaufsicht BaFin notwendig ist.