7. November 2018, 10:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Für Motorradfahrer muss eine App mehr können als nur die kürzeste Strecke zu finden. Die Navigations-App Calimoto soll spezielle Strecken für Motorradfahrer berechnen. Reicht das bei der „Höhle der Löwen“ für einen Deal?
Als Sebastian Dambeck seinen Motorradführerschein in der Tasche hatte und seine ersten Touren fuhr, war er von Navigations-Apps oder teurer Navis für Motorradfahrer schnell enttäuscht. Die Apps hinkten in der Funktionalität hinter Google Maps hinterher, die Navis waren für Autofahrer konzipiert. Aus diesem Mangel heraus wollte Dambeck eine Tugend machen und entwickelte im Studium für seine Masterarbeit einen Routing-Algorithmus, der besonders schöne Strecken für Motorradfahrer berücksichtigt. Das war die Geburtsstunde für die Navigations-App Calimoto. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt der Geoinformatiker Dambeck.
So funktioniert die App
Anders als klassische Navigations-Apps für Autofahrer soll die App (für iOS und Android) weder die schnellste noch die kürzeste Route berechnen, sondern ermittelt die schönste Strecke für den Fahrer. „Dabei erkennt Calimoto anhand unterschiedlicher Parameter, wo besonders schöne Strecken liegen und markiert diese sogar gleich farblich in der Karte“, erklärt Luca Osten gegenüber TECHBOOK. Dadurch soll jeder Biker mit nur wenigen Klicks die perfekte Tour angezeigt bekommen. Zusätzlich können relevante Punkte wie Tankstellen oder Biker-Treffs markiert werden und die Route so an individuelle Bedürfnisse angepasst werden.
Gegenüber gängigen Apps und Navigationssystemen hat die App der Berliner vor allem einen Unterschied: der Kurvenalgorithmus. „Gerade für eine Tour am Wochenende möchte man zum Beispiel möglichst schnell raus aus der Stadt um in der Nähe eine schöne und möglichst kurvige Rundtour zu fahren. Danach oder bei einem plötzlichen Wetterumschwung soll es dann auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause gehen“, sagt Allenfort. Die App sei mit dem besonderen Fokus auf Motorradfahrer einzigartig. „Deswegen ist Calimoto die einzige Navigations-App für Motorradfahrer, in der man unterschiedliche Routingprofile innerhalb einer Route miteinander kombinieren kann“, sagt Sebastian Dambeck.

Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer
Auf ihren Pitch haben sich die drei Gründer ganz genau vorbereitet, genauso wie sie sich auch mit den jeweiligen Stärken der Löwen auseinandergesetzt haben. „Selbstverständlich gehört es aber auch dazu, dass man neben dem eigentlichen Pitch auch auf alle eventuellen Fragen vorbereitet ist und die eigenen Zahlen im Kopf hat“, sagt Dambeck. Damit „Calimoto” in Europa und den USA expandieren kann, benötigen die drei Gründer 650.000 Euro und bieten dafür für zehn Prozent der Anteile an ihrem Unternehmen an.
Das sagen die Löwen
„Super klarer Pitch”, schwärmt Frank Thelen. Er möchte aber noch mehr über das Geschäftsmodell erfahren. „Wie sich das auf den ersten Blick darstellt und anhört, ist das extrem strukturiert”, lobt auch Ralf Dümmel die Unternehmer der App. Trotz des großen Kompliments steigt er aus dem Deal aus, weil das Produkt nicht zu ihm passen würde. Der Pitch weckt bei Dagmar Wöhrl Erinnerungen an vergangene Motorrad-Träume. Da diese allerdings der Vergangenheit angehören, sei sie fehl am Platz als Investorin. Judith Williams hat dagegen mit Motorrädern keinerlei Berührung. „Das ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln”, sagt sie und möchte nicht investieren.
Carsten Maschmeyer stellt noch weitere Nachfragen, möchte noch mehr über die Zahlen wie zum Beispiel den Umsatz wissen. „Woher nehmen Sie diesen Mut”, fragt er in Bezug auf die eigene Bewertung der Gründer. 6,5 Millionen erscheint ihm zu hoch. Joachim Allenfort begründet dies mit dem hohen organischen Wachstum. Das überzeugt Maschmeyer nicht, er will in das Unternehmen nicht investieren. Thelen nimmt die Gründer in Schutz, sagt, eine solche Bewertung sei im App-Markt gängig. „Ich mache lange Apps und ich muss leider sagen, es ist ein raues Pflaster geworden”, sagt Thelen. Er glaubt zwar an den Erfolg der App, aber hat sonst nichts zu tun mit Motorrädern. Er habe beinahe einen guten Freund durch einen Motorrad-Unfall verloren, steht dem Thema daher nicht aufgeschlossen gegenüber. Kein Löwe möchte demnach in die Idee der Gründer investieren.

Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer
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So ging es nach der Sendung weiter
Einen Löwen konnten die Gründer von ihrer App leider nicht überzeugen. Darüber waren sie sehr enttäuscht. „Dennoch war es für uns eine tolle Erfahrung und das Feedback der Löwen ist für uns eine große Bereicherung und zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Sebastian Dambeck. Ihre Vision wollen sie weiterverfolgen – auch wenn das nun vielleicht etwas mehr Zeit benötigt.