
28. September 2021, 16:45 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Apple setzt bei seinem mobilen Betriebssystem auf das Modell der Abschottung – iOS lässt sich nur auf Apples eigenen iPhones nutzen. Das Problem dabei: Nur Dinge, die Apple für wichtig hält, schaffen es damit auf das iPhone.
iOS 16 ist seit dem 13. September als Update für alle Geräte verfügbar, die auch schon iOS 15 unterstützen. Wie gewohnt, kommt auch die neue iOS-Version nicht ohne ihre Probleme, die Apple nach und nach per Update behebt. In der Zwischenzeit nennt TECHBOOK sieben Schwachpunkte, die uns an iOS am meisten nerven – und die Apple bis heute nicht gelöst hat.
1. Stark limitierte Anpassungs-Möglichkeiten
Limitierung hier, Einschränkung da. Mit iOS 14 hat Apple zwar endlich Widgets eingeführt – jedoch nur in begrenztem Umfang. Auf dem Sperrbildschirm sind weiterhin keine Widgets erlaubt, genauso wenig wie Widgets von Drittanbietern.
Splitscreen für das iPhone (beim iPad möglich), alternative Home Screens, zusätzliche Listen-Ansicht statt einseitigem App-Icon-Layout und ein Always-on-Display wünschen sich viele Nutzer auch seit Jahren. Unterm Strich hat Apple zwar einige Fortschritte gemacht, was die Anpassung in iOS angeht, liegt aber dennoch weiterhin weit hinter Googles Android.
2. Einstellungsmenüs
Eines der umständlichsten Dinge in iOS ist es, bestimmte Einstellungen zu tätigen. Nehmen wir als Beispiel mal die Kamera-App. Immerhin lassen sich mittlerweile dort die Auflösung und Bildrate einstellen. Andere wichtige Optionen wie „Smart HDR“ und Szenenerkennung hingegen nicht. Neben fehlenden Einstellungsoptionen können außerdem auch keine Standards gesetzt werden, etwa für das Videoformat. Wer das bei iOS tun möchte, muss sich in der „Einstellungen“-App erst den Punkt „Kamera“ heraussuchen. Wünschenswert wäre mindestens eine direkte Verlinkung aus der App in die Einstellungen – noch besser und zeitgemäß aber natürlich die Möglichkeit, alle Einstellungen direkt in der Kamera-App zu treffen.
3. iCloud-Speicher
Warum erhalten iPhone- und iPad-Käufer seit Jahren nur 5 Gigabyte iCloud-Speicher? Die 5 GB gelten für alle Geräte, die ein Kunde besitzt, und für alle Backups. Viel zu wenig für all die Fotos, die man ja mit den starken Kamerasystemen von Apple schießen soll („Shot on iPhone“ fordert dazu permanent die Apple-Werbung auf). Wer mehr mehr als 5 GB benötigt – und das sind fast alle Apple-User –, wird für die Speichererhöhung mit bis zu 9,99 Euro im Monat zur Kasse gebeten.
4. App-Größe
Ein weiteres Problem, das mit dem Speicher zu tun hat, ist die Größe der installierten Apps. Im Vergleich zu Android sind Apps in iOS um ein Vielfaches größer. Instagram etwa misst knapp 35 Megabyte auf einem Android-Smartphone – und ganze 169 MB auf dem iPhone. WhatsApp auf Android ist mit 17 MB winzig, auf iOS mit 97 MB mehr als fünfmal größer. Ähnlich auch Netflix mit ca. 18 MB auf Android und 100 MB auf iOS.
Ein möglicher Grund dafür könnte die Programmiersprache „Swift“ sein, in der iOS-Apps geschrieben sind. Demnach müssen Entwickler mehr Code-Bibliotheken in ihren iOS-Apps hinterlegen als in den Android-Gegenstücken. Außerdem ist der Code in Swift verschlüsselt, was die Größe weiter in die Höhe treibt.
5. Probleme beim Teilen von Inhalten in iOS
Während es schon vor 20 Jahren möglich war, Daten zwischen Mobiltelefonen per Infrarot zu verschicken, macht Bluetooth diesen Vorgang deutlich einfacher. Doch obwohl iPhones über Bluetooth verfügen, kann man damit weder Bilder noch andere Dateien an andere verschicken. Zwischen iPhones, Macs und iPads gibt es dafür AirDrop. Wer jedoch etwas auf ein Android-Smartphone oder den PC übertragen möchte, muss dafür Cloud- oder File-Transfer-Dienste nutzen. Eine direkte Übertragung per Bluetooth ist nicht möglich.
6. Getrennte Apple IDs
Viele User besitzen zwei Apple IDs – weil sie sich in früheren Jahren mit unterschiedlichen Accounts in den App Store/iTunes bzw. andererseits in die iCloud eingeloggt haben. Eines der Probleme dabei ist, dass Apple bis heute keine offizielle Migrationslösung hin zu einer einzigen Apple ID in iOS anbietet. Die Option gebe es, berichtet der Apple-Support immer wieder gegenüber Kunden am Telefon, nur sei dies „nicht gewünscht und kompliziert“. Noch schlimmer sind nur zwei Apple IDs in zwei verschiedenen Ländern. Das Anlegen ist mit wenigen Schritten möglich. Gewünscht ist auch das nicht. Wer es dennoch macht, muss sich umständlich an- und abmelden (und wird bei ständigem Wechseln von Apple mit wochenlangen Download-Beschränkungen bestraft).

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7. Spam-Mails
Kurios: Apple bietet in iOS zwar eine Funktion, Absender zu blockieren (Absenderadresse anklicken, danach „Diesen Kontakt blockieren“ klicken und bestätigen), doch die Spam-Filterung funktioniert nur für iCloud-Adresse. Bei denjenigen, die Gmail, Outlook oder andere Dienste über die Mail-App nutzen, landen einmal blockierte Kontakte erneut im normalen Posteingang und müllen diesen zu. Das gleiche Spam-Problem besteht auch unter macOS, dort wird der meiste Spam ebenfalls wieder ins Eingangsfach gespült.
Das Problem dabei ist nicht die Mail-App in iOS selbst. Für iCloud-Adressen funktioniert der Spam-Filter, für andere Dienste jedoch oft nicht. Das liegt daran, dass Anbieter wie Google und Microsoft die Art, wie Spam gefiltert wird, ändern können. Die Einstellungen, die man in der Mail-App ändert, haben darauf jedoch keinen Einfluss. Um Spam-Mail erfolgreich zu filtern, ist also der direkte Weg zu Gmail, Outlook, etc. oft erforderlich.