23. September 2019, 16:29 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Dieses Jahr sollen die iPhones laut Apple das „härteste Glas jemals in einem Smartphone“ haben. Ob was dran ist an dieser Aussage, zeigen verschiedene Falltest im Internet.
Apple spart bei seinen iPhone-Vorstellungen eigentlich nie mit Superlativen. Auch dieses Jahr gab es eine iPhone-Neuerung, die Apple besonders hervorheben wollte: Das härteste Glas, das jemals in einem Smartphone verbaut wurde, sowohl vorne als auch hinten. Das ist mal eine Ansage. Eine Ansage, der sich einige Medien und Youtube-Kanäle angenommen haben, um herauszufinden, wie sich die neuen iPhones im Sturztest schlagen.
Drei verschiedene Testszenarien
Das amerikanische Tech-Portal Cnet hat dieses Jahr sein Testverfahren komplett umgebaut. Anstatt aus der Hand werden Smartphones nun von einer Maschine fallen gelassen, um die Testergebnisse so vergleichbar wie möglich zu machen. Der Test ähnelt nun dem Versuchsaufbau von Youtuber Phonebuff, der Smartphones ebenfalls maschinell fallen lässt. Es gibt aber auch noch klassische Falltests, wie etwa den von Youtube-Kanal Everythingapplepro, in dem die iPhones aus der menschlichen Hand gen Boden stürzen. Anzumerken ist jedoch, dass bei allen der Falltest in Innenräumen auf Zementboden erfolgt. Dadurch sind die Ergebnisse zwar besser untereinander vergleichbar, haben aber weniger mit einem Situation im echten Leben zu tun, wenn das Smartphone draußen auf den Asphalt fällt.
Trotz der Verwendung einer neu entwickelten Maschine, die per Saugkraft das Smartphone festhält, erzielt Cnet in seinem Falltest kaum andere Ergebnisse als Everythingapplepro mit der traditionellen Handmethode. Während Cnet jedoch das normale iPhone und das iPhone 11 Pro gegenüber stellt, testet Everythingapplepro das iPhone 11 Pro und 11 Pro Max. Youtuber-Kanal Phonebuff führt den Test nur mit einem iPhone 11 Pro durch, stellt dieses aber dem Samsung Galaxy Note 10+ gegenüber. Auch erlaubt das Testverfahren von Cnet und Phonebuff nur den Fall auf die Vorder- und Rückseite, Everythingapplepro kann die iPhones jedoch zusätzlich noch auf die Seite fallen lassen.
Kein Unterschied, ob Maschine oder Mensch fallen lässt
Im ersten Testdurchlauf lassen alle die iPhones aus Hüfthöhe, also etwa einem Meter oder drei Fuß fallen. Bei Cnet und Everythingapplepro zeigen sich die iPhones völlig unbeeindruckt, lediglich ein paar kleine Macken im Stahlrahmen der iPhone 11 Pros und im Aluminiumrahmen des iPhone 11 bleiben zurück. Überraschenderweise macht das iPhone 11 Pro von Phonebuff schon bei dieser eher kleinen Fallhöhe mit Rissen sowohl vorne als auch hinten schlapp – ein unerwartetes Ergebnis. Vor allem, wenn man sich die weiteren Durchläufe von Cnet und Everythingapplepro anschaut.
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Cnet führt noch drei weitere Tests durch, mit Stürzen aus Kopfhöhe (etwa 1,8 Meter), 2,6 Metern und 3,3 Metern. Aus Kopfhöhe fallen gelassen trägt das iPhone 11 praktisch keine Spuren davon. Das iPhone 11 Pro zeigt ebenfalls keine Schäden im Glas, allerdings hat der Bildschirm sichtbare Pixelfehler durch den Fall auf die Vorderseite bekommen. Beim Sturz auf die Rückseite aus 2,6 Metern Höhe zieht sich das iPhone 11 eine kleine Macke in der oberen Kameralinse zu, die Funktionalität ist davon jedoch nicht beeinträchtigt. Das iPhone 11 Pro hingegen bekommt einen zweiten Pixelfehler und die gleiche Macke in der Kameralinse, hat aber ansonsten keine Risse oder Kratzer im Glas. Als letztes lässt Cnet die iPhones noch aus 3,3 Meter auf die Vorderseite fallen. Das iPhone 11 kommt erneut ohne einen einzigen Kratzer oder Riss davon. Beim Testen des Geräts stellt sich jedoch heraus, dass keine der Kameras auf der Rückseite mehr funktioniert. Hier kommt das iPhone 11 Pro deutlich besser davon. Es ist nach dem Aufschlagen zwar ausgegangen und der SIM-Einschub rausgesprungen, nach einen Neustart funktioniert das Smartphone aber normal, inklusive Kameras.
Im händischen Falltest von Everythingapplepro sind die Ergebnisse recht ähnlich, obwohl die iPhones sogar zusätzlich auf die Kanten fallen gelassen werden. Aus Hüft- und Kopfhöhe tragen beide iPhone Pros lediglich ein paar Kratzer im Stahlrahmen davon und der SIM-Einschub springt aus dem Gehäuse, ansonsten sind die Smartphones makellos. Selbst bei den ersten Durchläufen aus drei Metern Höhe schlagen sich die iPhone 11 Pros wacker, auch wenn sich beim Pro Max der Rahmen an einer Kante etwas verbiegt. Erst als das Pro Max aus drei Metern auf das Pro fällt, tragen beide größere Schäden davon. Beim Pro Max bricht das Bildschirmglas, bei Pro die Glasrückseite. In einem weiteren Test werden die bereits angeschlagenen iPhones dann die jeweilig intakte Seite fallen gelassen.. Beim Pro Max zerbersten neben der Glasrückseite auch die Kameralinsen, beim Pro bleibt die Vorderseite intakt.
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Bei Phonebuff wird nach dem Ein-Meter-Test nur noch ein weiterer Test durchgeführt, in dem das iPhone 11 Pro an seine Grenzen gebracht werden soll. Nach neun weiteren Stürzen bleibt es noch weitestgehend funktionsfähig, frühere iPhones haben da den Geist bereits aufgegeben. Lediglich die Kameras auf der Rückseite funktionieren wie im Cnet-Test nicht mehr. Nach dem zehnten Sturz hatte der Touchscreen zuerst Probleme, funktionierte aber nach einiger Zeit wieder.
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Handy-Design Das Bruch-Problem bei Glas-Smartphones
Erstaunlich robust
Apple scheint auf der iPhone-Keynote tatsächlich nicht übertrieben zu haben: Das Glas der iPhone-11-Generation ist wirklich sehr widerstandsfähig. In den vergangenen Jahren fielen iPhones oft schon im Sturztest aus Hüfthöhe durch, dieses Mal überlebten sie sogar den freien Fall aus über drei Metern Höhe weitgehend unbeschadet. Der Cnet-Test, der mit 3,3 Metern schon fast einen Sturz aus dem ersten Stock simuliert, konnte weder beim iPhone 11 noch beim 11 Pro das Glas brechen. Everythingapplepro hat das zwar geschafft, aber auch nur, weil das größere 11 Pro Max aus Versehen auf das kleinere 11 Pro fiel. Dennoch: Der Phonebuff-Test zeigt auf, dass man immer auch Pech haben kann und das Glas selbst bei den neuesten iPhones auch schon aus einem Meter höhe kaputt gehen kann. Glas ist halt immer noch Glas, und Glas kann zerbrechen.