Direkt zum Inhalt wechseln
logo Das Magazin für digitalen Lifestyle und Entertainment
TV, Radio und digitales Angebot

ARD kündigt umfangreiche Sparmaßnahmen im Programm an

ARD Logo Haupstadtstudio Symbolbild für Sparmaßnahmen bei ÖRR
Bei der ARD und generell dem Öffentlich-rechtlichen Rundfunk stehen wohl einige Änderungen an Foto: Getty Images
Marlene Polywka Techbook
Redakteurin

23. Januar 2023, 13:38 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Kaum im Amt hat der neue ARD-Chef direkt einige radikale Sparmaßnahmen angekündigt. Nahezu alle Bereiche sind betroffen; gerade auch beim digitalen und dem Hörfunk-Angebot wolle man aber evaluieren und reduzieren.

Artikel teilen

Schon seit Jahren wird in Deutschland um den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) diskutiert. Skandale wie unlängst der um die inzwischen zurückgetretene Patricia Schlesinger, ehemalige Intendantin des RBB und Vorsitzende des ARD, haben die Debatte weiter befeuert. Unter anderem deswegen, aber wohl auch aufgrund des neuen Medienstaatsvertrags, hat Kai Gniffke, seit dem 1. Januar 2023 neuer ARD-Vorsitzender, weitreichende Sparmaßnahmen angekündigt. Diese sollen sich auch auf die Programmgestaltung auswirken.

Neuer Medienstaatsvertrag 2023

Die Länderchefs hatten sich bereits im Juni 2022 auf entsprechende Reformen bei den Öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten geeinigt. Im Herbst wurde dann gemeinsam der neue Medienstaatsvertrag unterzeichnet, der nun zu Juli 2023 in Kraft treten soll. Dreh- und Angelpunkt der Änderungen ist, dass die generelle Definition des Auftrags der ÖRR in Deutschland angepasst wird.

Das gibt den Sendern unter anderem die Freiheit, gewisse Angebote ins Digitale zu verlagern und sich auch sonst etwas anders aufzustellen. Das dürfte in erster Linie die Spartensender betreffen. Nur ARD, ZDF, die Dritten Programme der ARD, 3sat und Arte sind explizit ausgenommen und „müssen“ weiter im linearen TV gesendet werden. Bei allen anderen – Phoenix, KiKa, ZDFneo und -info, ARD Alpha, Tagesschau24 und One – müssen nun Gremien entscheiden, wie es weitergeht. Gerade One, ehemals Einsfestival, könnte sogar die komplette Einstellung bevorstehen. Aber auch KiKa könnte, trotz guter Einschaltquoten in der Zielgruppe, von umfangreichen Änderungen betroffen sein. Dafür spricht auch eine Aussage des neuen ARD-Chefs Gniffke bei einer Anhörung vor dem Sächsischen Medienausschuss.

Auch interessant: So kann man sich vom Rundfunkbeitrag befreien lassen

ARD will Sparmaßnahmen umsetzen

Laut Gniffke soll nämlich ein linearer Kanal bald eingestellt werden. Außerdem wolle man „noch in diesem Jahr das digitale Portfolio erheblich reduzieren. Wir werden den Gesamtaufwand für unsere Hörfunkprogramme signifikant reduzieren.“ Darüber, was das genau bedeutet, kann man Stand jetzt lediglich spekulieren. Dass der ARD-Chef auch von einer Reduzierung des digitalen Portfolios spricht, lässt jedoch aufhorchen und wirft definitiv Fragen auf.

Gleichzeitig formuliert Gniffke nämlich auch eine Kampfansage an Netflix und die anderen großen Streaming-Dienste. Diesen wolle man nämlich Paroli bieten und auch für junge Zielgruppen attraktiv sein. Das selbsterklärte Ziel: Bis 2030 sollen ARD, ZDF und Deutschlandradio im Verbund die erfolgreichste Streaming-Plattform in Deutschland sein. Dafür fordert Gniffke auch eine deutlichere Arbeitsaufteilung unter den Sendeanstalten. Wie genau das mit einer Verschlankung der digitalen Angebote einhergehen soll, bleibt abzuwarten.

Gerade in Zeiten der digitalen Informationsflut sei der ÖRR aber generell unersetzlich, findet Gniffke. „Und das ist meine Sorge, wenn irgendwann keiner nicht mehr oder irgendetwas glaubt. Dann ist das der Anfang vom Ende sozialer Beziehungen, der Anfang vom Ende gesellschaftlichen Zusammenhalts und deshalb braucht es, aus meiner Sicht, verlässliche Institutionen, denen die Menschen vertrauen.“

Wie es nun bei den Öffentlich-rechtlichen im Detail weitergeht, müssen in erster Linie die Aufsichtsgremien entscheiden. Nachdem auch an ihnen im Zuge des RBB-Skandals Kritik aufkam, sollen diese Gremien weiter aufgestockt uns ausgebaut werden.

Mehr zum Thema

Quellen

  • Deutscher Bundestag („Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist reformbedürftig“, aufgerufen am 23. Januar 2023)
  • MDR („ARD-Chef Gniffke stellt Rundfunk-Agenda im Landtag vor“, aufgerufen am 23. Januar 2023)

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.