
4. April 2025, 16:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Acht Jahre nach dem Launch der originalen Switch wissen wir endlich genau, wie der Nachfolger aussieht und was er kann. Doch nicht alle neuen Funktionen überzeugen unseren Redakteur Adrian Mühlroth.
Nintendo versucht, mit der Switch 2 dem Erfolg des Originals hinterherzujagen. Klar, die First-Party-Spiele – allen voran „Mario Kart World“ – sind für viele Grund genug, die Konsole zu kaufen. Aber das reicht dem Unternehmen nicht aus. Es braucht etwas Neues, Besonderes, das neue und alte Kunden überzeugt. Doch das, was Nintendo letztlich geliefert hat, verfehlt das Ziel komplett.
Übersicht
Ihre Flexibilität hat Switch so erfolgreich gemacht
Mit der Switch ist Nintendo ein echter Hit gelungen. Die Konsole ist nicht nur kurz davor, Nintendos eigenen Spitzenreiter DS bei den Verkäufen zu überholen, sondern kommt sogar dem bisherigen Rekordhalter PlayStation 2 gefährlich nah. Was die original Switch so erfolgreich macht, ist ihr hybrides Konzept, das zum Launch 2017 revolutionär war. Deswegen auch der Name „Switch“. Bis dahin gab es entweder stationäre Heimkonsolen (PlayStation, Xbox, Wii) oder Handhelds (PSP, DS). Der Vorteil: Zuhause liefert die Konsole im Dock und am TV angeschlossen etwas mehr Leistung. Aber sie lässt sich auch überall mit hinnehmen und dank abnehmbarer Joy-Cons sogar von mehr als einer Person spielen.

Die Joy-Cons selbst waren eine Evolution der Wii Remote – und verbesserten die Bewegungssteuerung des Originals noch weiter. Für die Joy-Cons 2 hat sich Nintendo etwas einfallen lassen, das eine neue Art der Bedienung für die Switch 2 ermöglicht: die Verwendung als Maus. Kein Wunder, wurden doch auf der Nintendo Direct Titel wie „Cyberpunk 2077“ und „Borderlands 4“ angekündigt, bei denen präziseres Zielen wie am PC von Vorteil sein kann.
Zum Weiterlesen: Alle Informationen zur Switch 2 und den neuen Spielen
Sollen wir jetzt am Tisch spielen?
Doch wo das hybride Konzept der originalen Switch mit abnehmbaren Joy-Cons völlig neue Wege schuf, mit Spielen zu interagieren, schränkt Nintendo Gamer mit der neuen Funktion auf ein ganz bestimmtes Szenario ein. Jeder der beiden Joy-Cons 2 lassen sich auf die Seite stellen und damit auf einer geeigneten Oberfläche als Mäuse benutzen. Wie das funktionieren soll, demonstriert Nintendo im Trailer für das Rollstuhl-Basketballspiel „Drag x Drive“. Dabei bewegen Spieler die Joy-Cons 2 unabhängig voneinander auf einer Oberfläche, um die Räder eines Rollstuhls einzeln anzusteuern und sich damit vor- oder zurückzubewegen. Mit Anheben der Controller und einer Wurfgeste können sie den Ball in den Korb bringen.

Mit fällt dazu nur eine Frage ein: Wirklich Nintendo, was habt ihr euch dabei gedacht? Denn: Wieso muss ich wie ein Wilder die Joy-Cons 2 über einen Tisch schieben, wenn ich diese Bewegung ebenso gut auch in der Luft ausführen könnte – zur Erinnerung, Joy-Cons sind dazu problemlos in der Lage. Wie ich es sehe, liegt der Vorteil der Switch darin, dass sie sich überall und jederzeit gleichermaßen benutzen lässt. Stichwort: Flexibilität. Ob auf dem Sofa, im Bett oder am Tisch – es macht keinen Unterschied.
Mit dem Maus-Modus gibt die Switch 2 etwas auf
Die neue Maus-Funktion ist jedoch auf genau ein einziges Szenario eingeschränkt, an dem man an einem Tisch mit glatter Oberfläche sitzt, die Switch 2 vor sich aufstellt und mit den Joy-Cons drauflos schleift. Oder soll man die Konsole wie einen Computer an einen Monitor anschließen und so tun, als wäre sie ein Gaming-PC? Ehrlich Nintendo, wer soll das benutzen? Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, jemals mit meiner Switch am Tisch gesessen und mit Controllern in den Händen gezockt zu haben. Ein ergonomischer Albtraum, der zudem keine für mich erkennbaren Gameplay-Neuerungen bringt.

Auch bleibt abzuwarten, inwiefern sich die Joy-Cons 2 tatsächlich als Mäuse eignen. Dazu schreibt mein Kollege Thomas Porwol von BILD:
„Die Maus-Funktion hinterließ beim Anzocken dagegen einen eher zwiespältigen Eindruck. Denn wirklich ergonomisch sind die Joy Cons nicht, wenn sie aufrecht auf eine Oberfläche gestellt werden. So lassen sich mit dem Daumen die Aktionstasten nur schlecht erreichen, weil sie für diese Position eigentlich zu weit vorne liegen.“
Ich kann mir außerdem vorstellen, dass die Controller aufgrund ihrer geringen Dicke nicht sehr stabil im Maus-Modus sind. Computer-Mäuse haben eine breite Fläche, die den Joy-Cons 2 fehlt. Was bringt es mir also, wenn ich etwas genauer in Shootern zielen kann, wenn mir die Hand dabei verkrampft?

Kaufratgeber Die besten Alternativen zum Nintendo-Switch-Controller im Überblick

Handheld-Konsole Nintendo Switch 2 vorgestellt! Der Preis hat es in sich

Spielekonsole Nintendo Switch – Features, Vor- und Nachteile, Bewertung
Innovation der Innovation halber
Letztendlich ist Innovation wichtig, um Hardware aktuell und wettbewerbsfähig zu halten – doch nicht jede Neuerung ist automatisch ein Gewinn, wenn sie den Kern des Produkts verwässert. Die Switch wurde populär, weil sie einzigartig flexibel war: Spielen, wann und wo man will. Für mich ist der Maus-Modus der Switch 2 der Inbegriff einer Neuerung um der Neuerung willen. Nintendo hat nach einem Weg gesucht, Spielern etwas Neues zu bieten, das die Switch bislang nicht konnte. Und hat sich entlang des Weges wohl nicht mehr gefragt, ob es wirklich jemand braucht.
Für die nächste Switch (3) hätte ich jedoch ein paar Vorschläge, wenn es denn unbedingt ein Killer-Feature braucht. Wie wäre es mit unterschiedlichen Joy-Con-Optionen mit verschiedenen Bedien-Möglichkeiten? Etwa so, wie die Ayaneo 3 es mit ihren Modulen macht. Oder Controller, die einzelne Finger erkennen können und damit realistische Handgesten wie „Daumen hoch“ ermöglichen – in etwa wie die Meta Quest 3. Von den vielen Optionen, die Switch 2 eine bessere Konsole zu machen, hat Nintendo meiner Meinung eine der enttäuschendsten gewählt.