5. März 2019, 16:03 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Beim Thema eSports gibt es meist nur zwei Meinungen. Während Gamer und gamingbegeisterte Fans das virtuelles Spielen klar als Sportart ansehen, formiert sich eine breite Masse, die Computer- und Konsolenspielen auf Wettbewerbsbasis diesen Status klar absprechen. Magisk, einer der besten Counter-Strike-Spieler der Welt, verteidigt seinen „Sport“ im TECHBOOK-Interview beim ESL Intel Extreme Masters (IEM) in Katowice.
Wer mit eSports oder Videospielen im Allgemeinen nicht viel am Hut hat, sieht in Spielen wie „Counter-Strike: Global Offensive“ (CS:GO), DOTA 2 oder FIFA nicht mehr als eine Freizeitbeschäftigung. In den sozialen Netzwerken finden sich unter Beiträgen zum Thema zahlreiche Kommentare von Nutzern, denen es bei eSports an grundlegenden Dingen fehlt, um ihn als Sportart anzusehen. Argumente sind die fehlende körperliche Betätigung oder, gerade bei First-Person-Shootern wie Counter-Strike, schlichtweg der Inhalt. Dieses Rumgeballere könne doch kein Sport sein, liest man dort häufig.
Eine eSports-Veranstaltung kommt überraschend imposant daher
Wie sieht es bei so einer eSports-Veranstaltung eigentlich aus? TECHBOOK machte sich in der polnischen Stadt Katowice selbst ein Bild und bekam neben der Stimmung in der Halle auch die Backstage-Abläufe mit. Im Vergleich zu anderen Sportarten steht das IEM Katowice dort in kaum etwas hinterher. Ausgerichtet wird die Turnierserie von der Electronic Sports League (ESL). Als Veranstalter von Events und Ligen kümmert sich das deutsche Unternehmen seit rund 20 Jahren um die Belange des eSports und ist schon lange weltweit anerkannt. Auf unserer Tour durch die zahlreichen Backstagebereiche bekamen wir unter anderem große Regieräume zu sehen, wie man sie vom Fernsehen kennt. Von dort landen die Streams der Spiele auf den Rechnern der Fans. Ein halbes Dutzend Mitarbeiter kümmert sich darum, dass der Zuschauer immer den perfekten Überblick hat.
Im Besucherbereich ein ähnliches Bild: Statt Chaos ein durchgetakteter und eingespielter Apparat. Egal ob bei der Garderobe, den Eingängen, dem messeähnlichen Vorbereich oder in der eigentlichen Halle – nirgends hatten wir das Gefühl, dass etwas nicht so läuft, wie es soll. Sowohl Fans als auch Spieler bilden eine große Bandbreite an Charakteren ab. Das vornehmlich junge Publikum zwischen 16- und 30 Jahren besteht genauso aus Bodybuildern, Modefans, normalen Männern und Frauen wie auch aus klischeehaften Gamern. Das Rahmenprogramm bot in einer großen Halle zahlreiche Stände von Ausstellern und Sponsoren, an denen sich die Besucher zwischen den Spielen die Zeit vertreiben konnten. Das eigentliche Finalspiel kam mit aufwändiger und imposanter Bühnenshow, samt Pyroeffekten und Riesenleinwänden, daher.
Die Zuschauer feiern eSports
Für die Zuschauer macht es auf den ersten Blick keinen Unterschied, ob eSports nun offiziell als Sport angesehen wird oder nicht. Beim IEM Katowice, einem der größten Counter-Strike-Turniere, kamen circa 10.000 Fans in die Halle. Zusätzlich verfolgen gleichzeitig bis zu eine Million Menschen die Partien des Turniers vom heimischen Rechner aus. Problematisch wird es für sie eigentlich nur, wenn sie ihr Hobby vor anderen rechtfertigen müssen.
Pro-Gamer Magisk wehrt sich gegen Kritik
Magisk heißt bürgerlich Emil Reif, ist gerade 20 Jahre alt geworden, kommt aus Dänemark und ist Teil des Teams Astralis. Zusammen mit seinen vier Mitspielern hat Emil seit Mai 2018 neun große Counter-Strike-Titel errungen. Alleine die Preisgelder für diese Siege liegen zusammen bereits bei 3,850,000 Dollar (umgerechnet rund 3,4 Millionen Euro). 500.000 Dollar davon stammen vom IEM Katowice am vergangenen Sonntag. Dort wurde Magisk außerdem als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.
Die Kritik an eSports lässt auch ihn nicht kalt. Er sieht eSports als Sportart und begründet dies gegenüber TECHBOOK mit der großen Relevanz:
„Wenn du eine Arena wie diese vollmachen kannst und Menschen aus der ganzen Welt kommen, dann würde ich das schon einen Sport nennen. Viele Sportarten haben heutzutage nicht so viele Zuschauer in den Stadien, wie wir es haben. Für uns ist es fast schon normal, dass wir Arenen füllen und hunderttausende Fans uns über das Internet zuschauen. Es gehört so viel dazu, deshalb würde ich es einen Sport nennen.“
Außerdem spricht er über seinen enormen Trainingsaufwand, vor allem in der Zeit vor einem Wettkampf:
„In den letzten Wochen haben wir Counter-Strike geatmet, wie wir es nennen. Wir haben nichts getan, außer über das Spiel nachzudenken und die ganze Zeit zu trainieren. Es war sehr hart und wir sind jetzt mental ausgelaugt.“
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Keine Veranstaltung für Jedermann
Auch wenn das Publikum auf dem IEM Katowice gemischt war, kommt die Veranstaltung nicht für jeden in Frage. Unter 16 Jahren darf die Veranstaltung nur in Begleitung besucht werden und auch dann muss es kritisch gesehen werden, Heranwachsende bereits mit einem Spiel zu konfrontieren, das sie selbst noch gar nicht spielen dürfen. Für andere eSports-Titel wie DOTA 2, FIFA oder Hearthstone gilt dieser Punkt natürlich nicht.
Das größte Problem, das eSports hat, ist jedoch die extrem hohe Einstiegshürde für Zuschauer. Gerade bei komplizierteren Games wie DOTA 2 oder League of Legends ist es nahezu unmöglich, die Spielmechaniken zu verstehen, wenn man selbst nie gespielt hat. Bei den meisten Titeln, auch Counter-Strike, kommt ohne ausreichendes Wissen über Funktionsweisen und Taktiken nur wenig Spannung auf.